ALLEIN ÜBER DEN OZEAN

ALLEIN ÜBER DEN OZEAN

von Hannes Lindemann, Buchtipp

Der Autor Hannes Lindemann:

Dr. med. Hannes Lindemann überquerte zweimal den Atlantik in einem Einbaum bzw. einem Faltboot, seine Erfahrungen erzählt er in dem Buch „Allein über den Ozean“. Hannes Lindemann wurde zum Pionier des Autogenen Trainings.

Hannes Lindemann wurde am 28. Dezember 1922 geboren. In seinen Jugendjahren hatte Lindemann den Wunsch, Kinderarzt zu werden. Krieg, Gefangenschaft und ein zertrümmerter Arm machten diesen Traum zunichte. Als approbierter Mediziner wurde Lindemann arbeitslos. Er verließ Deutschland und arbeitete schließlich als Arzt auf einer US-Basis in Marokko und danach in Liberia.
In dieser Zeit entstand der Plan für seine erste große Reise über den Atlantik – als Selbstversuch zum Thema Überleben.

Danach hat Lindemann Rot-Kreuz-Ausbilder geschult, hatte einen Lehrauftrag auf der Universität Bonn über autogenes Training und Psychohygiene und war Buchautor. Er selbst bezeichnete sich als „Gesundheitserzieher“.
Hannes Lindemann verstarb am 17. April 2015 im Alter von 92 Jahren.

Inhalt:

Hannes Lindemann unterteilt sein Buch „Allein über den Ozean“ in drei Teile.
Im 1. Teil wird im Erzählstil geschrieben (Ich-Erzählung), der 2. Teil schildert die Ereignisse in Tagebuchform und der 3. Teil widmet sich den Erfahrungen.

1. Teil: Die erste Fahrt

Lindemann möchte in einem Selbstversuch den Streitfragen über Schiffbrüchige nachgehen.
1955 baut er sich in Liberia einen Einbaum, rüstet ihn mit dem Nötigsten aus und sticht damit in See. Sein Ziel liegt am anderen Ende des Ozeans – in Haiti.

Im Folgenden erfahren wir viel über seine Erlebnisse auf See. Sein Selbstversuch Meerwasser zu trinken widerlegt die These, dass Schiffbrüchige als Flüssigkeitszufuhr auf Meerwasser zurückgreifen können.
Er übersteht Stürme, spricht über seine dürftige Nahrung, die großteils aus rohem Fisch besteht und erzählt über die Tierwelt.

„Ich wusste, dass nicht der Körper in Krisensituationen streikt, sondern der seelisch-geistige Mensch.“

Hannes Lindemann resümiert, dass seemännisch alles zufriedenstellend verlaufen war, aber es wurde ihm jetzt erst klar, dass er psychisch nicht hinreichend vorbereitet war. „„Die Liberia II war der erste Einbaum, der mit einem Einhandsegler über den Atlantik geschippert ist.“ Lindemann landet nach 65 Tagen auf der Karibikinsel St. Croix. Kurz danach fährt er zu seinem tatsächlichen Endziel Haiti.

Aufgrund dieser Erfahrung entstand ein neuer Plan.

2. Teil: Die zweite Fahrt

Ein Jahr danach beschließt Hannes Lindemann nochmals den Ozean zu überqueren und dies mit dem kleinsten Boot, das je über den Ozean gesegelt ist. Nicht des Rekords wegen, sondern um die Lösung der psychischen Probleme des Überlebens, auf See zu finden.

Er kauft ein Serienfaltboot, 5,2 Meter lang, ca. 25 kg schwer. Als Startpunkt wählt er die Kanarischen Inseln. Dort bereitet er sich auf die abenteuerliche Reise vor. Es ist ihm klar, dass er für seine Expedition eine gezielte Mithilfe des Unterbewusstseins braucht und erinnert sich an Professor J. H. Schultz entwickelte Methode des autogenen Trainings.

„So versuchte ich in Las Palmas 6 Monate lang, mir die Angst auszureden und in mein Unterbewusstsein den Satz einzubauen: Ich schaffe es.“

Am 20. Oktober 1956 startet er zu seinem neuen Abenteuer. Nur wenige Menschen wissen davon.
Seine medizinischen Eintragungen beschreibt er so:

„Ich bin besser dran als die meisten anderen Segler, denn ich habe den Arzt bei mir.“

Seine wunden Hautstellen auf der Sitzfläche behandelt Lindemann mit Gefäßgymnastik. Dreimal täglich 5 Minuten konzentriert er sich nach demselben Muster: „Ich bin ganz ruhig – ganz ruhig, alles ist ruhig, mein Körper ist locker – ganz locker, völlig entkrampft – meine Sitzfläche wird warm – ganz warm, sie ist warm, meine Sitzfläche wird warm durchflossen.“ Die dadurch vermehrte Durchblutung soll helfen die Wunden zu heilen.

Das Wetter ist ihm bei dieser Überquerung nicht geneigt. Sein Schlafmangel macht ihm zu schaffen. Dies führte zu akustischen und optischen Halluzinationen, doch immer wieder kommt aus dem Unterbewusstsein das „Ich schaffe es.“
Gewitter, tropische Regengüsse, Windstärke 9-10 und 8-10 meterhohe Wellen. Zweimal kentert Lindemann, verliert im letzten Abschnitt sein Ruder und erreicht am 72. Tag sein Ziel, die Karibikinsel Sankt Thomas.

Zum Abschluss warnt Lindemann eindringlich nicht den Versuch zu machen mit einem Faltboot das Meer zu befahren:
„Das ist auf jeden Fall ein Spiel mit dem Tode – und die Geschichte der bisher unternommenen Versuche hat gezeigt, dass der Tod fast immer Sieger bleibt.“

3. Teil: Erfahrungen

In diesem Teil schildert Lindemann in einer Zusammenfassung seine wichtigsten Erlebnisse und zieht daraus seine Schlüsse, die vor allem für die Schifffahrt sehr hilfreich sind.

Mein Eindruck:

Ich habe dieses Buch gewählt, weil mich herausragende Leistungen immer schon faszinieren und in diesem Buch auch der geistig-seelischen Seite viel Platz eingeräumt wird.

Trotzdem ich von Segeln wenig Wissen habe, war dies nicht von Nachteil und ich war überrascht, wie spannend die Lektüre vom ersten Moment an geschrieben ist.
Lindemann beschreibt in einer sehr schönen, bildreichen Sprache seine Erlebnisse. Zusätzlich informiert er im Detail über alle relevanten Punkte dieser Expedition. Wichtig finde ich auch seinen Zugang zum autogenen Training. Er schildert wie er es anwendete und wo es ihm von Nutzen war.

Auch im Mentaltraining finden wir viele Ansätze aus dem autogenen Training.

Persönlich kann ich das Buch zu 100 % empfehlen. Spannung, Schreibstil und Informationen machen es für mich zum absoluten „must-read“.

Gebundene Ausgabe, 1964
Lizenzausgabe: Büchergilde Gutenberg
Verlag: Heinrich Scheffler
Sprache: Deutsch
173 Seiten

PS.: Autogenes Training ist ein Teilgebiet von Mentaltraining. Mehr über Mentaltraining findest du hier ->

Meine Buchempfehlungen:

Meine Buchempfehlungen sind Bücher, die ich gelesen habe oder auf jeden Fall lesen will!

Das Buch ist leider nur mehr antiquarisch zu finden. Zum Beispiel diese Ausgabe aus dem Jahr 2000:

In „Ein Mann, Ein Boot, Zwei Kontinente“ beschreibt Hannes Lindemann seine dritte Atlantiküberquerung. Auch dieses Buch gibt es nur mehr antiquarisch:

Autogenes Training erlernen von und nach Hannes Lindemann. Mit diesem Ratgeber erlernst du Schritt-für-Schritt autogenes Training. Ein großer Teil des Buches wird den Anwendungsgebieten für Gesunde und auch bei Krankheiten gewidmet:

Interessiert dich Autogenes Training? Wie entspannst du dich?

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